Hexenprozesse Teil 1: Hexenprozesse in der Steiermark – als plötzlich die Angst vor Hexerei zum tödlichen Ernst wurde

Veröffentlicht am 6. Oktober 2026 um 09:53

Wenn wir heute das Wort Hexe hören, denken viele an Kräuter, Rituale, Karten, Mondphasen oder vielleicht an eine Frau im Wald. Die historische Realität der Hexenprozesse hatte damit allerdings wenig zu tun.

In der Steiermark wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zahlreiche Menschen wegen angeblicher Zauberei verfolgt. Besonders betroffen war die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im Herzogtum Steiermark lassen sich zwischen 1546 und 1746 rund 820 Personen nachweisen, die in Hexen- oder Zaubereiverfahren verwickelt waren.

Und eine der größten Prozessserien fand nicht irgendwo weit weg statt.

Sondern hier bei uns.

In Feldbach.

Was warf man den Menschen vor?

Die Anschuldigungen waren unterschiedlich.

Menschen wurden beispielsweise verdächtigt, Unwetter, Hagel oder Krankheiten verursacht, Vieh geschädigt oder anderen Menschen durch sogenannte Schadenszauberei Schaden zugefügt zu haben. In der damaligen Vorstellungswelt konnten Missernten, Krankheiten oder andere Unglücke dadurch erklärt werden, dass jemand absichtlich magische Kräfte gegen andere eingesetzt habe.

Gerade für eine ländliche Gesellschaft konnte ein zerstörtes Feld eine Katastrophe bedeuten.

Und wenn niemand erklären konnte, warum der Hagel genau dieses Feld getroffen hatte und das andere daneben verschont geblieben war, suchte man nach einer Ursache.

Und manchmal nach einem Schuldigen.

Hexenverfolgung war kein reines „Frauenthema“

Auch wenn Frauen die Mehrheit der Verfolgten ausmachten, wurden auch Männer angeklagt.

Das zeigt gerade der große Feldbacher Prozess sehr deutlich.

Von den rund 95 Menschen, die im Verfahren zwischen 1673 und 1675 verdächtigt, angeklagt oder verurteilt wurden, waren laut den von ORF zusammengefassten Akten 53 Männer und 42 Frauen.

Unter den Beschuldigten befanden sich sogar Geistliche.

Einer der bekanntesten Fälle ist Gregor Agricola, der Pfarrer von Hatzendorf.

Er starb während seiner Haft, bevor es zu einer Verurteilung kam.

Das zeigt auch, wie weit die damaligen Anschuldigungen reichen konnten.

Es traf nicht ausschließlich arme Frauen am Rand der Gesellschaft.

Warum gerade die Südoststeiermark?

Die Südoststeiermark war im 17. Jahrhundert eine besonders stark von Hexen- und Zaubereiprozessen betroffene Region.

Historische Forschungen nennen Riegersburg, Feldbach und Gleichenberg als wichtige Zentren. Zwischen 1650 und 1710 wurden in der südöstlichen Steiermark knapp 200 Menschen in entsprechende Verfahren verwickelt.

Und damit sind wir mitten in der Geschichte meiner heutigen Heimatregion.

Denn der große Feldbacher Hexenprozess von 1673 bis 1675 nahm seinen Ausgang im Umfeld der Herrschaft Riegersburg. Die Prozessführung selbst fand am Landgericht Feldbach statt.

Die Riegersburg und Feldbach gehören deshalb untrennbar zu diesem Kapitel der regionalen Geschichte.

Die Riegersburg und der große Feldbacher Hexenprozess

Heute verbinden viele Menschen die Riegersburg mit ihrer beeindruckenden Festung, dem Vulkanland und natürlich mit der Geschichte der Hexen.

Das kommt nicht von ungefähr.

Auf der Riegersburg befindet sich heute ein Hexenmuseum, das sich mit der Hexenverfolgung und insbesondere mit dem großen Feldbacher Hexenprozess beschäftigt. Die Burg selbst bezeichnet ihn als einen der bedeutendsten Hexenprozesse der Steiermark.

Und eine Frau ist mit dieser Geschichte ganz besonders verbunden:

Katharina Paldauf.

Die sogenannte „Blumenhexe von Riegersburg“.

Aber ihre Geschichte ist viel komplizierter, als es der schöne Name zunächst vermuten lässt.

Und genau darum geht es im zweiten Teil.

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