Wenn du schon einmal von der Blumenhexe von Riegersburg gehört hast, kennst du wahrscheinlich die Geschichte einer Frau, die angeblich sogar im Winter Blumen zum Blühen bringen konnte. Eine wunderschöne Geschichte. Aber eben eine Geschichte, bei der man zwischen Legende und historischer Überlieferung unterscheiden sollte.
Ihr Name war Katharina Paldauf.
Und sie war tatsächlich ein Opfer des großen Feldbacher Hexenprozesses.
Wer war Katharina Paldauf?
Katharina Paldauf wurde vermutlich um 1625 in Fürstenfeld geboren.
Als junge Frau kam sie in den Dienst von Katharina Elisabeth Freiin von Galler, der damaligen Besitzerin der Riegersburg. Später heiratete sie Johann Simon Paldauf, den Burgpfleger beziehungsweise Verwalter der Riegersburg. Das Paar hatte mehrere Kinder.
Katharina beschäftigte sich mit Blumen.
Und offenbar hatte sie tatsächlich ein besonderes Interesse und Geschick für deren Aufzucht.
Daraus entwickelte sich später die berühmte Geschichte der „Blumenhexe“.
Vom Blumenliebhaberin zur Angeklagten
Im Frühjahr 1675 wurde Katharina Paldauf in den großen Feldbacher Hexenprozess hineingezogen.
Sie wurde unter anderem beschuldigt, Hagel und Unwetter verursacht und an einem sogenannten Hexensabbat teilgenommen zu haben. Außerdem wurden weitere schwere Anschuldigungen gegen sie erhoben.
Die Vorstellung, dass jemand das Wetter beeinflussen könne, war damals keine harmlose Fantasie.
Sie konnte vor Gericht tödliche Konsequenzen haben.
Katharina wurde nach Feldbach gebracht und dort inhaftiert.
Der Prozess
Die erhaltenen Prozessakten zeigen, wie brutal solche Verfahren sein konnten.
Es wurde verhört, beschuldigt und unter Anwendung von Folter nach Geständnissen gesucht. Ein heute im Steiermärkischen Landesarchiv überliefertes Verhörprotokoll dokumentiert beispielsweise die Verhöre Katharina Paldaufs vom 10. und 11. Juni 1675.
Was wir heute als Folter und massive Gewalt gegen Menschen erkennen, war damals Teil eines Justizsystems, in dem Geständnisse auf diese Weise erzwungen werden konnten.
Katharina Paldauf starb 1675.
Die historischen Quellen und die spätere Überlieferung haben daraus die Figur der „Blumenhexe“ gemacht.
Doch hinter diesem Namen stand kein Märchenwesen.
Es stand eine reale Frau.
Eine Frau mit Familie, einem Berufsumfeld, einem Zuhause auf der Riegersburg und einem Leben, das durch einen Hexereivorwurf zerstört wurde.
Warum wurde sie zur „Blumenhexe“?
Die Geschichte, Katharina habe im Winter Blumen gezogen, gehört heute fest zur regionalen Erzählung rund um die Riegersburg.
Die Riegersburg selbst weist allerdings darauf hin, dass sich um Katharina Paldauf und die Gallerin zahlreiche Legenden gebildet haben und dass die tatsächlichen Lebensgeschichten hinter diesen Erzählungen oft weniger bekannt sind.
Und genau das finde ich wichtig.
Eine Legende darf eine Legende bleiben.
Wir müssen aus einer historischen Person kein Märchen machen, um ihre Geschichte interessant zu finden.
Denn die tatsächliche Geschichte ist erschütternd genug.
Mehr über die Hexenprozesse gibt's im dritten Teil.
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